Motivation

Hunde sind hochsoziale Lebewesen. Nimmt man ihnen die Möglichkeit, mit ihresgleichen in der ihnen angeborenen Art und Weise umzugehen, so läuft man Gefahr, einen emotional abgestumpften, unsozialen Hund an der Seite zu haben. Unsozial Artgenossen und Menschen gegenüber. Nichts betrübt uns mehr, als Hunden zu begegnen, die ihre Artgenossen nicht beschnuffeln dürfen, die in den Busch gezerrt werden, weil sie ja vielleicht auf den anderen Hund losgehen könnten, die permanent an der kurzen Leine gehen müssen. Dass durch solche Maßnahmen ein vorhandenes Fehlverhalten der Hunde noch ver- und bestärkt wird, versteht sich von alleine. Eine Spirale wird in Gang gesetzt, die meist nur schwer zu durchbrechen ist. Das kostet dann einerseits viel Zeit und Nerven und den Besitzer, wenn er etwas daran ändern will, schlimmstenfalls viel Geld.

Hunde lernen voneinander. Ihr Leben lang. Da sind sie nicht anders als wir Menschen.
Daher ist es uns wichtig, dass in unserem Verein auch traumatisierte Tiere einen Platz finden und so, mit viel Geduld und Zuwendung, ein einigermaßen gutes Hundeleben führen können. In unseren bereits bestehenden Reihen finden sich dazu mindestens zwei Beispiele, die uns deutlich vor Augen führen, wie wichtig es für die Tiere ist, nicht nur „Sitz“, „Platz“, „bei Fuß“ und „gib Pfote“ zu hören und zu „funktionieren“, sondern mit ihresgleichen zu tollen, zu raufen und psychisch gesunde Hunde im Miteinander zu beobachten.

Die Erfahrungen, die wir mit eben diesen beiden Hundedamen in den vergangenen zwei Jahren gemacht haben, sie dabei zu beobachten, wie aus verängstigten Tieren langsam aber sicher selbstbewusste, lebensfrohe Hunde werden (auch wenn sie noch immer einen langen Weg vor sich haben), haben uns darin bestärkt, diesen Weg zu gehen. Weil wir beobachten konnten, mit wie viel Rücksichtnahme unsere gesunden Vierbeiner auf die beiden zugegangen sind, wie liebevoll sie die beiden Angsthasen in ihrer Mitte aufgenommen haben und wieviel Sicherheit die Damen durch die Stärke der anderen gewonnen haben. Sie schützen und sie fordern sie. Und sie nehmen Rücksicht auf ihre Stimmung.

Uns wurde klar, wie wichtig es für die Tiere ist, miteinander auf ihre Art zu kommunizieren. Und genau das möchten wir ihnen ermöglichen.
AM / 03.06.2017